Dem Kind eine eigene Kiste für geheime Dinge geben

Landschaftsillustration

Jedes Kind hat Dinge, die nur ihm gehören: einen besonderen Stein, einen Brief, eine Muschel, ein Bild von einer Freundin oder einem Freund. Solche Dinge sollen nicht im allgemeinen Spielzeug verschwinden, wo sie jemand wegräumen oder anfassen kann. Eine eigene Kiste gibt dem Kind einen Ort, an dem seine Schätze sicher sind, und das Gefühl, dass es selbst über sie bestimmt.

Die Kiste kann eine Schuhschachtel, eine Blechdose oder ein kleiner Koffer sein. Das Kind darf sie selbst gestalten, bemalen, bekleben und beschriften. Ein Deckel, der sich schliessen lässt, gehört dazu, und wenn das Kind es möchte, auch ein einfacher Verschluss. Wichtig ist, dass die Kiste dem Kind gehört und nicht den Erwachsenen.

Die Regeln der Kiste

Für die Kiste gilt eine einfache Regel: Niemand schaut hinein, ausser das Kind lädt dazu ein. Das gilt für Eltern, Geschwister und Besuch. Diese Regel schafft Vertrauen und zeigt dem Kind, dass sein Raum ernst genommen wird. Wenn es selbst etwas zeigen möchte, tut es das freiwillig und mit Stolz.

Die Kiste steht an einem Platz, den das Kind gut erreicht, der aber nicht im Weg ist. Ein Regalfach, der Platz unter dem Bett oder eine Ecke im Schrank eignen sich gut. Darf sie auch auf Reisen mitkommen, wird sie zu einem treuen Begleiter, der Sicherheit gibt, wenn alles andere neu ist.

Der Inhalt ändert sich mit der Zeit. Manche Dinge verlieren ihre Bedeutung, andere kommen neu hinzu. Das Kind darf selbst entscheiden, was bleibt und was nicht. Wird die Kiste zu voll, kann man gemeinsam überlegen, ob eine zweite Kiste nötig ist oder ob sich das Kind von etwas trennen möchte. Auch das ist seine Entscheidung.

Mit den Jahren wird die Kiste zu einem Schatz voller Erinnerungen. Was darin liegt, erzählt Geschichten aus der Kindheit, und später ist es ein besonderes Geschenk, sie wieder zu öffnen. Eine solche Kiste kostet nichts und hält viel aus. Sie zeigt dem Kind, dass es einen eigenen Platz in der Familie hat.